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Interview mit Prälat Dr. Nikolaus Wyrwoll
Renovabis im domradio vom 16. Januar 2006

 
Germanicum et Hungaricum
und das Ostkirchliche Institut.
Ein Vergleich

 
Eintrag im russ. Wikipedia

Beschreibung in italienischer Sprache

Broschüre
zum Jubiläum 2006

 

Vorgeschichte

Im Jahre 1960 wollten Albert Rauch und Nikolaus Wyrwoll als junge Studenten des Collegium Germanicum Hungaricum in Rom in den Sommerferien nicht nach Deutschland fahren, sondern in ein orthodoxes Land. Damals war es am einfachsten, nach Griechenland zu kommen. Also machten sie eine dreimonatige Studienreise in Griechenland, Berg Athos, Konstantinopel, Chalki und Ephesus. Überall trafen sie orthodoxe Professoren und Pfarrer, die in Deutschland studiert hatten, immer an protestantischen Fakultäten. Der Grund war leicht erkennbar: An katholischen theologischen Fakultäten konnte man keinen Abschluss erwerben, ohne den Antimodernisteneid mit einer Gehorsamsformel gegenüber dem Papst abzulegen.

Nikolaus Wyrwoll trug Kardinal Lorenz Jäger in Paderborn diese Beobachtung vor. Anderthalb Jahre später, im Frühjahr 1962, wurde der Diakon Nikolaus Wyrwoll – Albert Rauch war schon in Deutschland Kaplan – in den Vatikan gerufen und erhielt den Auftrag, den Inhalt eines Briefes von Kardinal Ottaviani den orthodoxen Autoritäten mitzuteilen. In dem Brief stand, dass ab sofort alle Studenten aus anderen christlichen Kirchen alle katholischen akademischen Grade in Theologie erwerben können, ohne den Gehorsamseid abzulegen. Wyrwoll überbrachte diese Nachricht an Metropolit Maximos Repanellis vom Ökumenischen Patriarchat, damals zuständig für die Ausbildung der Theologen.

Damals kamen Stipendienanträge der orthodoxen Bischöfe auch an die katholische Kirche in Deutschland. Rauch und Wyrwoll verteilten die Studierenden auf die verschiedenen Fakultäten mit Wohnung in den Priesterseminaren und luden sie regelmäßig zu Kolloquien ein.

Im Jahre 1965, am letzten Tag des Zweiten Vatikanischen Konzils, wurden in Rom und in Konstantinopel feierlich in einem gleichzeitigen Akt die Anathemata des Jahres 1054 aus dem Gedächtnis und aus der Mitte der Kirche getilgt und die Verurteilungen der Östlichen Kirchen gegen die Westlichen und der Westlichen gegen die Östlichen aufgehoben. Schon seit der ersten Sitzung des Zweiten Vatikanischen Konzils im Jahre 1962 war die Russische Kirche vertreten, damals durch den jungen Archimandriten Vladimir, seit 1995 Metropolit von St. Petersburg. Ab 1963 entsandten auch die anderen orthodoxen Kirchen Beobachter zum Zweiten Vatikanischen Konzil.

Mit der Aufhebung der Anathemata begann der Dialog der Liebe zwischen Ost und West. Die deutsche katholische Bischofskonferenz beschloss im Jahre 1966, eine spezielle Kommission einzusetzen, die Brücken zwischen den östlichen Kirchen und dem Westen bauen sollte, so lange wir noch nicht voll übereinstimmen in der Einheit des Glaubens. Die Leitung dieser Kommission wurde dem Bischof von Regensburg Dr. Rudolf Graber anvertraut. Er hat immer wieder darauf hingewiesen, dass der Dialog zwischen katholischen und evangelischen Kirchen nicht genüge, sondern übergehen müsse in einen "Trialog", der auch die östlichen Kirchen einbezieht. Lange Jahrzehnte war der Bischof von Passau Franz-Xaver Eder (+ 18.6.2013, Photo unten im Text) Vorsitzender der AG Kirchen des Ostens der DBK.

Am Ostertag 1967 begann Bischof Graber seine Arbeit mit einem Besuch beim Ökumenischen Patriarchen Athenagoras in Konstantinopel/ İstanbul. Dieser Besuch war der offizielle Beginn der Arbeit des Regensburger Ostkirchlichen Institutes. Patriarch Athenagoras dankte der Deutschen Bischofskonferenz für die Initiative im Dialog zwischen den Kirchen. Er unterstrich, dass die Kontakte der Lokalkirchen einen wichtigen Beitrag liefern könnten für die Einheit der Kirchen. Den relativ kleinen orthodoxen Ortskirchen falle es nicht leicht, direkte Gespräche mit Rom aufzunehmen. Das Dekret Unitatis Redintegratio des II. Vatikanischen Konzils hatte bilaterale Kontakte zwischen Ortskirchen empfohlen.

Bischof Dr. Rudolf Graber, Regensburg (1962-1982) und Pariarch Kyrill von SofiaVon Konstantinopel fuhr Bischof Graber 1967 nach Sofia zu Patriarch Kyrill (s. Photo) und nach Belgrad zu Patriarch German. Beide Patriarchen billigten und unterstützten das vorgelegte Programm der gemeinsamen Arbeit. So ergaben sich weite Horizonte für den Dialog der Liebe. Die Patriarchen wollten, dass in diesem Dialog der Liebe auch theologische Beratungen stattfanden. Von den deutschen Theologen erwarteten die Patriarchen einen wichtigen Beitrag in diesem Gebiet.

Die "Regensburger Symposien"

Im Akademischen Jahr 1966/1967 begannen die "Regensburger Symposien". Das erste trug das Thema "Sakramente der Kirche" und fand im Jahr 1969 in Schloss Spindlhof bei Regensburg statt. Eine große Delegation des Moskauer Patriarchates, Vertreter anderer orthodoxer Patriarchate, katholische deutsche Theologen und auch Gäste aus den evangelischen Kirchen nahmen teil.

Im Jahre 1977 beschlossen die Patriarchen, eine zweite Reihe von Symposien unter dem Titel "Die eine Kirche und ihr Leben in Raum und Zeit". Dieser Zyklus begann 1979 mit dem Thema "Die Heiligen der einen Kirche" und "Die Ämter der einen Kirche". Dieser zweite Zyklus endete im Jahre 1989 mit dem Symposion "Primat und Patriarchat - Amt für die Einheit der Kirche".

Die Symposien fanden statt in dem Geist, über den Bischof Rudolf gesagt hatte: "Wenn die Aufhebung der Anathemata im Jahr 1965 etwas mehr ist als nur eine theatralische Geste, dann muss sie auch wichtige Resultate haben. Das bedeutet: Grundlage unserer Gemeinsamkeit ist nicht die getrennte Kirche, sondern die ungeteilte Kirche des ersten Jahrtausends. Jede Aussage von der Einheit der Kirche muss richtig verstanden und richtig interpretiert werden."

Zum 1100. Todestag des hl. Methodius im Jahre 1985 veranstaltete die Regensburger Universität einen Kongress im Ostkirchlichen Institut, an dem Delegationen aus allen östlichen Ländern teilnahmen. Die Bedeutung dieses Kongresses sieht man daran, dass das Bulgarische staatliche Fernsehen zweimal eine Stunde lang eine Sendung brachte.

Zur Jahrtausendfeier der Taufe der Rus hielten wir im Ostkirchlichen Institut im Jahre 1987 ein Symposion mit dem Arbeitsthema "Tausend Jahre zwischen Wolga und Rhein". 600 Jahre nach dem Heimgang des großen Geistlichen, Mönches und Erziehers Russlands, des hl. Sergij von Radonež, hielten wir im April 1992 im Regensburger Ostkirchlichen Institut ein Symposion zum Thema "Das Ideal der Vollkommenheit gestern und heute". Barbara Hallensleben und Albert Rauch gaben die Viten des Heiligen neu heraus. Dieses Symposion war gleichzeitig ein Jubiläumssymposion für die ehemaligen Studierenden, nach 25 Studienjahren.

Im Jahre 1994 erinnerte ein Symposion an den 50. Todestag von Sergij Bulgakov (1871–1944), den Dekan des Orthodoxen Theologischen Instituts St. Serge in Paris. 1998, 1999 und 2000 widmeten sich mehrere Symposion in Kerala/Indien dem Dialog der hinduistischen und christlichen Weltsicht. Im Jahr 2000 wurde weiterhin ein Symposion zum 100. Todestag von Vladimir Solovjov veranstaltet, 2006 eine Tagung zur Vorlesung von Papst Benedikt vom 12. September 2006 an der Universität Regensburg.

Die Begegnungen bei den Symposien waren geprägt durch eine Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens und Verstehens unter Menschen, die sich als Glieder der einen Kirche fühlen. Die veröffentlichten Beiträge der Symposien wurden bereits Gegenstand einer wissenschaftlichen Studie (Ferdinand Gahbauer, Die Regensburger Ökumenischen Symposien und der nachkonziliare ost-westliche Dialog, Paderborn 1995).

Das Stipendienprogramm

Die Symposien waren ein wichtiger Faktor zur Bildung einer geschwisterlichen Atmosphäre des Vertrauens zwischen Katholiken und Orthodoxen. Fast noch wichtiger wurde das ebenfalls Ostern 1967 in Konstantinopel bestätigte Stipendienprogramm. Bis zum Jahre 2013 haben weit über tausend Vertreter und Vertreterinnen der orthodoxen Kirchen mit einem Stipendium der deutschen katholischen Bischöfe studiert und in Deutschland die Möglichkeiten genutzt, den Westen und die westlichen Kirchen näher kennen zu lernen. Zugleich hatten sie die Gelegenheit, in Deutschland mit Studierenden der anderen orthodoxen Kirchen in einen intensiveren Austausch zu treten. Sie haben ihre Kenntnisse der deutschen Sprache vervollkommnet und sich für den zwischenkirchlichen Dialog geöffnet. Die Stipendiaten kamen für einige Monate oder Jahre in das Ostkirchliche Institut. Die Erfahrung ziet, dass sie zu ihren eigenen Kirchen als dankbare orthodoxe Christen zurückgekehrt sind.

Über vierzig von ihnen z.B. sind inzwischen Bischöfe in ihren orthodoxen Kirchen. Andere sind als Priester tätig, als Äbtissinnen in den Klöstern, sie haben Lehrstühle in verschiedenen Ausbildungsstätten, sind Professoren, Dozenten, Assistenten. Viele arbeiten mit in den zwischenkirchlichen Kommissionen auf der ganzen Welt im Dienst an der Einheit der Christen.

Alle Studierenden haben ihr je eigenes Programm, das der zuständige orthodoxe Bischof mit dem OKI festgelegt hat. So kann es sein, dass eine Schwester aus einem rumänischen Kloster nur drei Monate im OKI ist, um die deutsche Sprache zu lernen und nachher den Touristen in ihrem Kloster die Reichtümer besser nahebringen zu können. Ein anderer hat den Auftrag, zwei Jahre Pastoraltheologie zu studieren, damit er dann zu Hause die Sonntagsschule organisieren kann. Wieder ein anderer erwirbt einen Doktortitel in Philosophie, damit er zu Hause den Lehrstuhl für Philosophie an seiner Hochschule übernehmen kann.

Normalerweise sind die orthodoxen Stipendiaten an ihrer Fakultät zu Hause für das Doktoratsstudium eingeschrieben. Sie schließen ihre Arbeit mit der Promotion in ihren heimatlichen Fakultäten ab, in Regensburg nutzen sie die guten Möglichkeiten der Bibliotheken und der Studieneinrichtungen und lassen sich durch katholische Professorinnen und Professoren beraten.

Ein eigenes Haus

Bischof Dr. Franz X. Eder (1925-2013)Die Vermittlung der Stipendien und der Einschreibung in den angemessenen Studiengang geht seit 1962 vom Ostkirchlichen Institut in Regensburg aus. Dafür hat das OKI seit 1976 ein eigenes Haus, das Kapuzinerkloster, das 1614 in Regensburg gebaut worden war; 1811 bis 1974 lebte und betete in dem 1810 aufgehobene Kapuzinerkloster der Klarissenkonvent St. Maria Magdalena. 1974 haben wir das Haus umgebaut, aus den alten Zellen wurden die Zimmer und die Bäder der Studierenden, andere Räume wurden zu Küchen. Dadurch kann jede Gruppe ihrer Esstradition treu bleiben: Die eine Gruppe fastet am Freitag, die andere am Samstag, einige haben den Julianischen Kalender, andere haben den Gregorianischen Kalender, einer kommt aus einem Kloster, wo nie Fleisch gegessen wird, ein Student aus Indien isst ausschließlich Reis …

Insgesamt gibt es 20 Zimmer mit 30 Betten, viele haben ihre Fenster zur Donau. Die Gemeinschafts- und Unterrichtsräume sind für 12 bis 20 Gäste vorbereitet, es stehen auch zwei große Säle zur Verfügung. Die Donau selbst ist eine Brücke zwischen den europäischen Ländern: Wenn unsere Studenten auf die Wasser der Donau schauen, können sie sich vorstellen, dass diese Wellen in einigen Tagen in ihren Heimatländern sein werden, in Serbien, in Rumänien, in Bulgarien, in der Ukraine.

Auf den Dokumenten und Büchern des Ostkirchlichen Institutes steht der Stempel, das große Symbol der Stadt Regensburg: die Steinerne Brücke. Das Institut selbst ist eine Brücke zwischen Ost und West. Im Dialog der Liebe steht an erster Stelle die Aufgabe, dass junge Leute die Sprache des anderen lernen. Die Sprache drückt auch den Charakter des anderen Volkes aus. Ein besseres Verstehen der Sprache erleichtert ein besseres Verstehen der Mentalitäten, baut Vorurteile ab und verhilft dazu, dass das menschliche Verständnis untereinander wächst.

Auch westliche Studierende erhalten durch das OKI die Möglichkeit, an orthodoxen theologischen Fakultäten zu studieren, z.B. in Athen, Thessaloniki, Sofia, Belgrad, St. Petersburg, Minsk, Balamand.

Wer das Ostkirchliche Institut von der Ostengasse her betritt, sieht als erstes die Ikone der Heiligsten Dreifaltigkeit des hl. Andrej Rubljow, die eine Ikone der Gastfreundschaft ist. Im Kreuzgang sieht man eine Ikone, gemalt von der rumänischen Studentin Barbara ?Ionescu, auf der Christus dargestellt wird, der die Menschen segnet, die aus aller Herren Länder zusammen gekommen sind. Die Wände des Kreuzganges sind bedeckt mit Fotografien über Begegnungen im Institut und in den orthodoxen Heimatländern.

Für Regensburg ist die Anwesenheit des Ostkirchlichen Instituts nichts Neues, sondern steht in einer großen Tradition. Schon vor mehr als 1000 Jahren haben in Regensburg die ersten Kontakte mit den Christen in Böhmen stattgefunden. Der hl. Erzbischof Methodius ist aus Regensburg zum Benediktinerkloster Reichenau gegangen, um dort die Heilige Schrift zu übersetzen.

Die durch das Ostkirchliche Institut repräsentierte Brückenfunktion der Stadt Regensburg zwischen dem Osten und dem Westen Europas ist seit 1997 gestärkt durch das EUROPÄUM an der Universität Regensburg. Es bietet Studiengänge insbesondere für Studierende aus Osteuropa an. Die Verbindung mit dem Ostkirchlichen Institut wurde öffentlich durch den Festvortrag der Geschäftsführerin des Europäum Mag. Elisabeth Unger beim Symposion anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Prälat Dr. Nikolaus Wyrwoll im Jahr 2004.

Im Studienjahr 2010–2011 beispielsweise haben in Regensburg im Ostkirchlichen Institut orthodoxe Männer und Frauen aus Makedonien, Serbien, Rumänien, Russland, Weißrussland, Ukraine, Moldawien, Georgien, Indien, Griechenland, Ägypten studiert und die Bibliotheken genutzt.

Im Ostkirchlichen Institut gibt es eine orthodoxe Kirche in der alten Tagzeiten-Kapelle der Kapuziner und Klarissen, die 1980 mit Ikonen und Fresken ausgeschmückt wurde. Der Erzbischof von Berlin Melchisedek, Exarch des Moskauer Patriarchates für Mitteleuropa, hat diese orthodoxe Kirche am Tag der Dreifaltigkeit 1980 konsekriert. In dieser Kapelle des Ostkirchlichen Institutes zelebrieren nur orthodoxe Priester. Die ganze Hausgemeinschaft hält dort täglich um 9 Uhr ihr Morgengebet.

Für die katholischen Gottesdienste steht die ehemalige Kirche der Kapuziner und Klarissen zur Verfügung, die dem hl. Apostel Matthias geweiht ist, der anstelle von Judas in das Apostelkolleg aufgenommen wurde. Hier feiert auch die große rumänische orthodoxe Gemeinde Regensburg Vesper und Liturgie.

Horizonte

Neben den individuellen Studienprogrammen gibt es auch ein gemeinsames Programm. Dazu gehören Ausflüge zu kirchlichen Ereignissen, Ausflüge in die umliegenden Klöster, gegen Ende des Studienjahres gibt es eine Wallfahrt nach Rom zu den alten Stätten der Christenheit, die den großen Horizont der Kirchengeschichte öffnen. So waren z.B. 1989 alle Studierenden bei der Ersten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Basel, 1994 und Ostern 2007 in Konstantinopel, 1997 in Graz bei der Zweiten Europäischen Versammlung, in der Osterwoche 2000 in Rom, im Sommer 2007 in Alba Iulia und Hermannstadt, im Frühjahr 2008 zu einem Symposion mit dem St. Andreas-Institut Moskau in Freising, 2011 zum Ökumenischen Symposion der Fokolare in Trient.

1985 bis 1991 lief eine Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Rundfunk für ein Programm "Alte Liturgien zu Gast in romanischen Kirchen Kölns". Die Idee kam von Kardinal Höffner: In den aus der Zerstörung durch die Bomben wiedererstandenen Kölner Basiliken sollte das Gotteslob so erklingen, wie es zur Zeit ihres Baues vor 1000 Jahren war. Die traditionsverbundenen Liturgien des Ostens und der Gregorianische Choral konnten das sein. Die Leiter des Instituts besuchten die Kirchen des Ostens und vermittelten die Einladung. Die kleinen nach Köln gereisten ostkirchlichen "Gemeinden" wurden vom Ostkirchlichen Institut während ihres Deutschland-Aufenthaltes betreut, der stets mit einigen Tagen des Einlebens im Institut begann. In den Kölner Basiliken fanden nicht nur musikalische perfekte Darbietungen statt: vielmehr wurde die Bevölkerung eingeladen, einen "liturgischen Tag " von Vesper über Morgenlob bis zur Liturgie mit den Priestern und Chören aus jeweils einer östlichen Kirche zu feiern. Der WDR übertrug diese Gottesdienste. Dieses geistliche Ereignis ergab nebenbei einen weltlichen Rekord: nie in der Geschichte des Rundfunks nutzten so viele Rundfunkstationen rund um den Erdball die Möglichkeit, sich dazuzuschalten.

Die Ehrungen, die das Ostkirchliche Institut und seine Leiter Prälat Dr. Albert Rauch und Prälat Dr. Klaus Wyrwoll erhalten haben, bestätigen die Bedeutung der Horizonte, die das Ostkirchliche Institut im Prozess der Einigung Europas eröffnet. Stellvertretend genannt seien das Bundesverdienstkreuz für Prälat Wyrwoll (2004) und die Ehrendoktorate für Wyrwoll (Minsk 1999) und für Rauch (Bukarest 1997, Oradea 2002, Alba Julia 2008).

Immer waren die wichtigsten Früchte der Arbeit des Ostkirchlichen Instituts die Menschen selbst, die ein Netz der Beziehungen und Freundschaften zwischen Ost und West bilden. Die "Silberne Rose des hl. Nikolaus", die das OKI gemeinsam mit dem Institut für Ökumenische Studien der Universität Fribourg Schweiz gestiftet hat, ehrt in diesem Sinne Menschen, die in ihrem Leben, wie der heilige Nikolaus, die Menschenfreundlichkeit Gottes sichtbar werden lassen. Sie erhalten die Rose, weil sie, verwurzelt im Leben ihrer kirchlichen Gemeinschaft, die katholische Sendung der Kirche in universum mundum in der Kraft des Heiligen Geistes bezeugen und so zur Versöhnung und vertieften Communio der Kirche, der Menschheit, der ganzen Schöpfung beitragen. Bisher wurden geehrt: Metropolit Kyrill von Smolensk und Kaliningrad, seit 2009 Patriarch von Moskau (2006, überreicht in der Russischen Botschaft in Rom), Äbtissin Iosefina von Văratec/Rumänien (2007, überreicht bei der 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung in Sibiu/Hermannstadt), Mons. Eleuterio Fortino, Rom (2008, überreicht in Bari), Patriarch Mesrob von İstanbul (2009, überreicht in İstanbul), Prof. Dr. Fairy von Lilienfeld (2010, posthum verliehen in Naumburg), Nuntius Antonio Mennini, London (2012, überreicht in Fribourg Schweiz), die Bürgermeisterin der Stadt Elche in Spanien (2013/2014).

Ausblick

Logo des Johann-Adam-Möhler-Institut PaderbornIm Sommer 2012 gingen die Gebäude des Ostkirchlichen Institutes aus dem Besitz der Stadt Regensburg in den Besitz eines Investors über. Das Ostkirchliche Institut Regensburg arbeitet seit 2013 in Etterzhausen, İstanbul und Fribourg Schweiz weiter. Die Begleitung der orthodoxen Studierenden geht an das Johann-Adam-Möhler-Institut Paderborn über (Leostraße 19a, D-33098 Paderborn, www.moehlerinstitut.de).

1972 war Prälat Dr. Albert Rauch zugegen, als Patriarch Athenagoras auf der Prinzeninsel Chalki vor İstanbul die vorläufige Schließung der Theologischen Akademie des Ökumenischen Patriarchates vornahm. Damals sagte der Patriarch zu Prälat Rauch: "Lassen Sie den Geist von Chalki in Regensburg weiter wirken". Dieses Vermächtnis hat das Ostkirchliche Institut treu erfüllt und weitergegeben. Das Johann-Adam-Möhler-Institut trägt mit der Stipendienarbeit auch den Geist der Regensburger Symposien weiter, zum Beispiel in Form gemeinsamer Sitzungen von orthodoxen und katholischen Theologen im St. Irenäuskreis.

Das Institut für Ökumenische Studien der Universität Fribourg Schweiz (Avenue de l’Europe 20, CH-1700 Fribourg, www.unifr.ch/iso), zu dessen Direktorium Wyrwoll gehört, hat Erfahrungen und Anregungen des Ostkirchlichen Instituts übernommen. Es begleitet orthodoxe Studierende auf der Grundlage von Konventionen mit dem "Institut d’études supérieures en théologie orthodoxes" am Orthodoxen Zentrum in Chambésy bei Genf und mit der Gesamtkirchlichen Aspirantur und Doktorandur Hll. Kyrill und Method am Moskauer Patriarchat. Die Dozenten am Institut in Chambésy sind Gastprofessoren der Theologischen Fakultät der Universität Fribourg. Metropolit Hilarion Alfeyev ist als Privatdozent für Dogmatik und Titularprofessor in den Lehrkörper der Fakultät integriert. Die Studienprogramme und vor allem das Doktoratsprogramm "De civitate hominis. Theologie im post-ökumenischen Zeitalter" haben das Ziel, eine Theologie in gemeinsamer Verantwortung für die kirchliche Sendung in der Welt von heute zu entwickeln.

Die Sommeruniversität in der Theologischen Akademie auf der Insel Chalki im September 2013 in Zusammenarbeit zwischen dem Ostkirchlichen Institut Regensburg und dem Institut für Ökumenische Studien der Universität Fribourg Schweiz will als eine unter vielen Initiativen aus der Kraft des gemeinsamen Erbes einen Weg in die Zukunft bereiten helfen.

Nikolaus Wyrwoll:
Ostkirchliches Institut Regensburg.
Studierende und Gäste 1963 bis 2013.
Institut für Ökumenische Studien
der Universität Freiburg Schweiz.
Friedrich Reinhardt Verlag Basel. 2013.
Studia Oecumenica Friburgensia 60.
S. 3 - 10.

 
Die neuen Nutzer der ehemaligen OKI-Räumlichkeiten:
Inklusives Wohnprojekt St. Klara
Galerie St. Klara