Katechese:
Katholische Vesper mit Orthodoxen Gesängen
genauer wäre "Westliche Vesper mit östlichen Gesängen", denn auch die lutherischen Gesangbücher haben die gleiche Vesper wie unser katholisches Gesangbuch Gotteslob, und die Katholiken des östlichen Ritus feiern die Vesper genau so wie die Orthodoxen.
Ost und West
Dem hl. Wolfgang verdanken wir, dass wir heute eine Vesper in unserer westlichen Ordnung feiern, ein Stück nach dem anderen wie im Gotteslob 682, aber mit östlichen Gesängen. Bischof Wolfgang hat vor 1.000 Jahren den Osten ernst genommen, hat das Bistum Prag freigegeben, wusste von den Gesprächen der östlichen Bischöfe um den hl. Methodius mit den bayrischen Bischöfen im Jahre 865 in der Alten Kapelle am Kornmarkt.
Wir freuen uns, dass Mons. Stadtpfarrer Thummerer uns diese Ost-West-Verbundenheit heute mit dieser Ost-West-Vesper feiern lässt, mit Domdekan emeritus Stauffer und Dekan Schöner von der Basilika zur Alten Kapelle, und der Chorodia Basilios mit Georg Hahn.
Vesper
Dass wir überhaupt eine Vesper feiern, ist schon ein Blick in den Osten. In Osteuropa gibt es wohl kaum eine orthodoxe Pfarrei, die es wagen würde, morgens Liturgie, hl. Messe zu feiern, ohne dass sie am Abend vorher die Vesper feiert, kaum eine orthodoxe Pfarrei, die nicht jeden Tag die Vesper feiert. "Vesper" heißt auf deutsch übersetzt "Abend" und ist der Tagesbeginn.
Der Beginn des Tages. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als Jugendlicher auf diese Formulierung in der Schöpfungsgeschichte aufmerksam wurde und dachte, das ist doch falsch gedruckt: es ward Abend und Morgen, erster Tag
es ward Abend und Morgen, zweiter Tag
Der Tag beginnt mit dem Abend auch heute noch im Bewusstsein der Juden und der Muslime. Wer schon mal im Staate Israel mit dem Zug gefahren ist, hat gelesen "verkehrt tgl. außer Sabbat" - also der Zug verkehrt nicht am Freitagabend und am Sabbatvormittag, aber wieder am Samstagabend. Und Christen im Osten haben es ganz selbstverständlich in der Gottesdienstordnung, wir im Westen auch bis vor vierzig Jahren, wir alten Priester können uns noch daran erinnern, es wurde immer die Vesper vom nächsten Tag gefeiert, und jetzt feiern wir die Zweite Vesper vom Fest Peter und Paul und die Vesper der Priesterweihe.
In unserer deutschen Sprache finden sich noch Reste dieser Tagesordnung es ward Abend und Morgen, in manchen Gegenden kommt der Sonn-abend vor dem Sonn-tag. Und wenn ich fragen würde: wann ist Weihnachten? würde vielleicht die Hälfte der Anwesenden antworten: am 24. Dezember, die andere Hälfte: am 25. Dezember. Diese biblische Tageseinteilung es ward Abend und Morgen hat fast einen sakramentalen Charakter: erst beschenkt uns Gott, mit einem Feierabend, mit einem Abendessen, mit der Nachtruhe.
Und in der zweiten Hälfte des Tages antworten wir auf das Geschenk Gottes durch unser Tun, durch unsere Arbeit für uns und für andere.
Die Lesung aus der Apostelgeschichte (12,1-11) von der Befreiung des Petrus - wir haben sie eben gehört - ist ein Bild für die Befreiung von Druck und Belastung, wie sie die Nacht schenken kann.
An unserem Dom ist dieses Beispiel des Abwerfens von Stress und Zwang in der Nacht auf unsere Regensburger Erfahrungen konkretisiert, der Engel befreit Petrus nicht indem er ihn durch ein Tor aus dem Gefängnis führt, sondern indem er bei einem unserer 60 Geschlechtertürme das Dach wegklappt und Petrus befreit.
Nach unserem modernen Zeitgefühl ist der Tagesbeginn offiziell Mitternacht, für viele ist der Tagesbeginn der frühe Morgen, das wollen wir nicht ändern, aber es ist doch gut, dass wir uns immer wieder an die biblische Tageseinteilung, an die sakramentale Tageseinteilung im Gebet erinnern.
Die modernen Psychologen und Psychotherapeuten erinnern uns, wie sehr der Erfolg des Tages davon abhängt, wie wir den Abend davor zugebracht haben. Jetzt also bereiten wir schon die Priesterweihe morgen im Dom vor.
Weihrauch
beim Weihrauchopfer im Tempel zu Jerusalem bekommt der Priester Zacharias, der Mann der Elisabeth, die gute Nachricht, dass sein Gebet erhört ist, dass sein Sohn Johannes geboren werden wird. Seitdem ist der Weihrauch vertrauensvolles Zeichen, dass unsere Fürbitte erhört werden wird. Früher beteten wir in jeder Vesper den Anfang von Psalm 141 Vater im Himmel, auf steige unser Gebet wie Weihrauch vor dein Angesicht!